Einige Schritte ihrer malerischen Entwicklung sind in der Ausstellung zu sehen. So besetzt sie zum Beispiel den Bildraum mit unzähligen ineinander und übereinander gesetzten Tuschestrichen. Diese ergeben ein komplexes Netzwerk, das bei aller Dichte ganz leicht wirkt. In anderen Werken sind die Striche dicker und verwirbelter, so dass deutliche Wechselspiele und Kreisformen sichtbar werden. Die Strich- und Pinselführung zeigt unterschiedliche Ströme und Richtungen. Die gezeichneten und gemalten Fließbewegungen, die ohne Anfang und Ende erscheinen, repräsentieren den Strom der Zeit als kontinuierlichen Fluss, wie er in Deutschland die Zeitvorstellung bestimmt. Dem steht eine japanische Zeitvorstellung eines Fließens in Spiralbewegungen gegenüber, die stets lebt im Wissen um die Möglichkeit einer Wiederkehr von Ereignissen im Lauf der Zeit.
Dass die Zeit ihr künstlerisches Thema sein würde, deuten bereits die Anfänge ihrer künstlerischen Arbeit Ende der 1970er Jahre an. Damals zeichnete sie mit größter Genauigkeit und bildnerischer Geduld im Stile der traditionellen realistischen Malerei Europas ein Frauenporträt, das sie „Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ nannte. 32 Jahre später erfasst Suzuki-Kämmerer die Zeit nicht mehr in den Spuren des menschlichen Gesichtes, sondern abstrakt. (Hier fand sie zu ihrer bildnerischen Ausdrucksform: die sanfte abstrakte Expression.) In vielen Strichen und Farbschwüngen zeigt sie, wie alles in Bewegung ist, sich fortwährend verändert, und nichts jemals stillsteht, selbst wenn es einen Moment in der Ruhe verharrt.

Auszug der Rezension von Jürgen Kisters in der Kölner Stadt-Anzeiger am 5. 4. 2011
zur Ausstellung „Zeit“ in der Tenri-Kulturwerkstadt, köln, 2011